Paula Grimm jetzt mit Textpraxis76 bei Skype Verfügbar

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen,

meine Idee ist, Textsprechstunden für Autoren und Blogger einzurichten. Welche einzelnen Angebote sich genau dahinter verbergen, werde ich hier und in den anderen Blogs in den nächsten Monaten beschreiben. Der erste Schritt, um Gespräche mit Autoren und Bloggern zu führen, damit ich sie beraten kann, ist getan. Denn seit gestern Abend bin ich unter dem Skypenamen Textpraxis76 bei Skype erreichbar. In diesem Blog gibt es unten auf der Seite die Möglichkeit mit mir via Skype Kontakt aufzunehmen und zu chatten. Blogger und Autoren können ab sofort mit mir ins Gespräch über Bücher, Blogartikel und alle Arten von Texten kommen.

Ich würde mich über Anregungen über die Gestaltung von Textsprechstunden freuen. Mögt Ihr für Lesungen üben? Wollt Ihr hören, wie eure Texte klingen und live Rückmeldungen bekommen? Dann schreiben und hören wir uns bei Skype!

Liebe Grüße

Paula Grimm

[Bewerbungsmappe]

Advertisements

Buchcoverdesign für den Felicitasroman gefunden!

Guten Tag Ihr Lieben,

ich möchte mich bei allen herzlich bedanken, die sich bezogen auf das Problem mit dem Buchcoverdesign mit der Verteilung und mehr bemüht haben. Obwohl mein Mailprogramm mir immer wieder eine Fehlermeldung geschickt hat, ist offenbar doch eine Mail zu Mia Bernauer durchgekommen, und sie hat sich freundlicherweise wieder bereit erklärt, sich um die Gestaltung zu kümmern. Ich hoffe, dass sie damit einverstanden ist, daraus eine kleine Aktion zu machen, bei der meine Leser entscheiden dürfen, welches Design es dann letztlich wird.

Liebe Grüße

Christiane Quenel

Alles erdenklich Gute für Beruf und Privatleben!

Guten Tag,

ich wünsche allen, die diesen Blog lesen, einen angenehmen Übergang in das neue Jahr und alles erdenklich Gute für 2015! Mögen berufliche Pläne in Erfüllung gehen! Alles Gute auch für die Gesundheit und alle anderen Aspekte des Privatlebens! Ab 05. Januar bin ich wieder da. Und diejenigen, die jemanden für Schreib- und Korrekturarbeiten suchen, erinnere ich an dieser Stelle noch einmal daran, dass ich nach wie vor Arbeit in diesen bereichen suche und auch als freie Mitarbeiterin in den genannten Arbeitsfeldern zur Verfügung stehe.

Bis nächstes Jahr!

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Quenel

Leseempfehlung: Unorthodoxe Gedanken zur Inklusion

Guten Tag,

bezogen auf das Thema Inklusion behinderter Menschen hören die Diskussionen nicht mehr auf. Und es wird vielen von Ihnen ähnlich wie mir ergehen, dass Sie sichdes Eindrucks nicht erwehren könnt, dass sich die Diskussionen immer im Kreis drehen sich aber ansonsten nichts bewegt. In solchen Fällen sind unorthodoxe oder „krause“ Gedanken eine Möglichkeit aus dem Kreislauf auszubrechen. Der Weisheit letzter Schluss ist nicht das, was man braucht. Man benötigt Denkanstöße, auch wenn es unbequem wird.
Unorthodoxe Gedanken zum Thema Inklusion findet Ihr auf der Homepage von Dr. Arne Harder unter dem Link http://www.med.uni-magdeburg.de/~harder/inklusion.html. Nur selbst lesen und selbst denken machen schlau!

Liebe Grüße

Christiane

Führhundgespanne: Als Team anerkannt

Liebe Leserinnen und Leser,

heute stelle ich in mein Blog einen Artikel ein, in dem ich schon vor längerer Zeit Grundwissen zum Thema Führhunde zusammengestellt habe. Das ist so ein Thema, das mich als Hundefreundin und in meiner Situation immer wieder mal beschäftigt. Und wer weiß, vielleicht komme ich doch irgendwann einmal auf den Hund, weil die Katze ja das Mausen nicht lässt. 😉 Schließlich bin ich ja auch mit Hunden und anderen Tieren aufgewachsen und zwar mit Schafen und Hütehunden etc.

Sie waren die ersten Assistenzhunde, die Blindenführhunde. Inzwischen gibt es viele Behindertenbegleithunde. Einerseits ist es schon so, dass sie immer da sind und Dinge tun, die im Grunde Menschen für Menschen tun sollten. Und doch ist es andererseits besonders gut, dass sie so sind, wie sie sind und tun, was sie tun, nämlich treue Hunde sein.

Führhundgespanne – Als Team erfolgreich unterwegs

Da Hunde lernfähig und kommunikativ sind, werden sie immer häufiger als Assistenzhunde für Menschen mit verschiedenen Behinderungen oder chronischen Erkrankungen ausgebildet. Eine der ältesten Ausbildungen zum Assistenz- oder Partnerhund ist die Ausbildung von Blindenführhunden. Die Idee stammt u. a. von Jean Bongartz aus dem Jahr 1892. Der Tiermaler gründete den Verein für Sanitätshunde. Doch erst Ende des ersten Weltkrieges und im Verlauf der 20er Jahre nahm die Idee Blindenführhunde auszubilden gestalt an. Die Entwicklung der Ausbildung wurde zunächst stark von engagierten Privatleuten ermöglicht. Gegenwärtig durchlaufen Blindenführhunde eine etwa einjährige Ausbildung, die in verschiedenen professionellen Führhundschulen durchgeführt wird. Etwa 3000 blinde und Hochgradig sehbehinderte Menschen leben zurzeit mit einem Führhund zusammen, der ihnen als Hilfsmittel zur Orientierung in vertrauter aber auch in fremder Umgebung dient. Die Arbeitsgemeinschaft zwischen Mensch und Hund wird als Führhundgespann bezeichnet. Ein Führhundgespann ist im Straßenverkehr leicht an dem weißen Führhundgeschirr zu erkennen, das der Hund bei seiner Arbeit immer trägt. Das weiße Geschirr ist ein offizielles Zeichen, das Verkehrsteilnehmer zu besonderer Rücksichtnahme verpflichtet. Besonders häufig begegnet man Labradoren, Retrievern, Schäferhunden und Mischlingshunden aus den genannten Rassen im Führhundgeschirr. Hinter dieser Auswahl der Hunde verbirgt sich allerdings kein Rassismus. Obwohl diese Rassen bevorzugt zu Führhunden ausgebildet werden, da sie sich in Bezug auf ihre Lernfähigkeit und andere Charaktereigenschaften als besonders geeignet erwiesen haben, ist es vor allem ihre Größe, die bei der Auswahl eine Rolle spielt. Führhunde sollten eine Schulterhöhe von 50 bis 60 Zentimeter aufweisen. Blinde und sehbehinderte Allergiker, die gern einen Hund als Begleiter möchten, können aufatmen. Denn inzwischen gibt es mehrere Führhundschulen in der Bundesrepublik, die auch Erfahrung mit der Ausbildung von Königs- bzw Großpudeln haben. Diese haben als Fell bekanntlich nicht das typische Hundehaar, gegen das viele Menschen allergisch sind sondern Wolle.

Welpen, die später zu Führhunden ausgebildet werden sollen, werden im Alter von acht Wochen zum ersten Mal gründlich vom Tierarzt untersucht. Bei diesem Gesundheitscheck liegt ein besonderes Augenmerk auf der Kontrolle der Funktionsfähigkeit der Sinne. Im ersten Lebensjahr werden die Hunde in sog. Patenstellen oder Patenfamilien versorgt und erzogen. Die Hundepaten werden von Mitarbeitern der Führhundschule, die den Hund später ausbilden wird, beraten und betreut. In dieser Zeit kommt es darauf an, dass der Hund viele verschiedene Erfahrungen mit Menschen, anderen Tieren und Alltagssituationen sammelt. In der Patenstelle lernen die Welpen auch die Grundlagen des sozialverträglichen Verhaltens, z. B. auf Anweisung an einer angezeigten Stelle zu warten.

Im Alter von etwa einem Jahr beginnt die eigentliche Ausbildung der Hunde. In zehn bis zwölf Monaten lernen sie eine Person um Bodenhindernisse wie Pfützen, um Höhenhindernisse wie Schilder oder Äste herumzuführen. Sie lernen an Bordsteinen stehen zu bleiben, souverän an Fußgängern oder anderen Hunden vorbeizugehen. In ihrer Ausbildung werden die Hunde mit bestimmten akustischen Befehlen vertraut gemacht. Dazu gehört, dass sie bestimmte Geländepunkte, z. B. „Such Eingang!“ zu befolgen lernen. Die akustischen Befehle werden in der Fachsprache Hörzeichen genannt. Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist der sog. Intelligente Ungehorsam. Dabei lernt der Hund die direkte Befolgung von Hörzeichen zu verweigern, wenn Gefahren drohen. So wird der Hund eine Straße, die er überqueren soll, nicht passieren, wenn ein Auto kommt.

Nachdem der Führhund seine Ausbildung gemacht hat, folgt die Eingewöhnungsphase an seinen blinden oder sehbehinderten Halter. Diese dauert zwischen zwei und vier Wochen. Unter der Obhut des Ausbilders werden Mensch und Hund miteinander vertraut gemacht. Kurz nach dieser Gewöhnungs- und Lernphase folgt die sog. Gespannprüfung, bei der ein Gutachter feststellt, ob Mensch und Tier gut miteinander zusammenarbeiten und harmonieren. Erst, wenn die Gespannprüfung erfolgreich bestanden wurde, gehören der blinde Mensch und sein Hund als anerkanntes Führhundgespann zusammen.

Es wurde behauptet, dass Führhunde ihren Dienst am Menschen mit Lebenszeit bezahlen, dass die Hunde nicht so alt werden wie ihre Artgenossen. Aber diese Auffassung ist inzwischen widerlegt. So hat sich gezeigt, dass blinde und sehbehinderte Menschen, die ihren Hunden ein glückliches und gesundes Hundeleben mit artgerechter und vielseitiger Ernährung, viel Zuneigung und ausreichend Bewegung nach Hundebedarf ermöglichen, ihrem Vierbeiner alle Grundlagen für ein langes, glückliches und erfülltes Hundeleben bieten. Da in der Bundesrepublik nicht offiziell geklärt ist, wie und wo Führende, die ihr wohlverdientes Altersgnadenbrot bekommen können, sollten Führhundhalter sich frühzeitig selbst um einen guten Altersruhesitz für ihren langjährigen Gefährten kümmern, wenn sie ihn nicht bei sich behalten können“

Liebe Grüße

Christiane

Themenwoche Kunterbuntes: Achtundachtzig Blütenblätter für Gertrud (Literatur)

Tach zusammen,

her kommt als Beitrag für die Tehmenwoche ein Stück Literatur, das aus meiner Schreibwerkstatt stammt und im Jahr 2010 geschrieben wurde. Wer günstig für seine Literatur werben möchte, wird in den Themenwochen zum Thema Literatur natürlich auch dazu die Möglichkeit haben. Außerdem könnt Ihr Euch jeder Zeit in Sachen Literatur an mich wenden.

Liebe Grüße

Christiane (Paula grimm)

Achtundachtzig Blütenblätter für Gertrud

Paula Grimm

Der Sommer setzte Lebendes nicht mit flirrender Hitze unter Druck. Der Julihimmel hielt sich bedeckt. Aber es regnete nicht.
“Guten Tag, Daggi!”
“Herzliches Beileid auch dir, Daggi!”
“Wie geht es dir sonst so, Daggi?”
“Hallo, bald hätte ich dich übersehen, Daggi!”
Und Daggi, wie es aus aller Munde kam, hatte wie eh und je diesen falschen verniedlichenden Klang. Es waren viele Leute zu begrüßen, Beileidsbekundungen entgegen zu nehmen und vor allem Hände zu schütteln. Weil das seine Zeit brauchte, verwehte plötzlich der Kindheitsgeruch nach Haferschleim und Zitrusspülmittel die aktuellen In-Düfte der Parfüms, Deos und Aftershaves. Und die Großmutter sagte in ihrem Singsangdialekt von weiter rheinaufwärts, der immer gleichermaßen schimpfend und jammernd klang:
“Jib’ dat schöne Händsche, Daggi!”
Dieser und andere Sätze in diesem Zungenschlag waren seit dreißig Jahren eigentlich verstummt. Doch zu Zeiten häufig ausgesprochen blieben sie ohne Sinn im Verstand und in der Familie, bis der Letzte, dem sie zu Lebzeiten zu Ohren gekommen waren, gestorben sein würde. So oft ungefragt die Ratschläge erteilt worden waren, so oft sie geklagt, verurteilt und geprahlt hatte, Niemand konnte und mochte diese jammernde Schimpferei imitieren. Jeder bekam die rechte Hand und einen Gruß und Dank in der hiesigen raueren sprachweise. Und die Rechte war wie di Linke und wie die Füße klein geraten und wieder einmal durch Macken an den Nagelbetten und einen Riss an der Daumenwurzel nicht das schöne Händchen.
“Wenigstens muss erst mal nicht gewinkt werden. Dabei verpasse ich wohl immer noch den Einsatz, weil ein Abschiedswort noch lange keinen Abschiedsblick und keine Kehrtwende zum Gehen ist, blinde Kuh.”

“Es geht los, Daggi!” sagte Martha, die Älteste von den fünf, die Gertrud geboren hatte. “Also bei ihr unterhaken!” gedacht, nichts gesagt aber getan.
Der Weg zu dem Bereich für die anonymen Grabstätten war, wie man so sagt, ein gutes Stück Weg.
“Gehen hilft immer irgendwie!”
Martha unterhielt sich gedämpft mit Leuten, die vor und hinter ihr gingen. Und darum musste sie nicht Daggi sagen. So war es zumindest leicht, den eigenen Gedanken nachzugehen. – “Gehen hilft immer irgendwie!”
“Gertrud war wie Martha die Älteste zu Hause. – Zu Hause in Ostpreußen. – Zu Hause an der Bahnstrecke, wo abends dann irgendwann nicht mehr nur die Güterzüge und Viehtransporte nach Osten rollten. – Zu Hause, wo dann irgendwann auf den Güter- und Viehwagons Menschen Nach Osten abgeschoben wurden. – Zu Hause, wo dann noch später mit Menschen überladene Züge nach westen fuhren. – Zu Hause, von wo sich Gertrud dann ohne den Vater aber mit den Großeltern zu Fuß in den ungewissen Westen aufgemacht hatte. Und die beiden Kleinen, Renate und Oskar, waren auf der Strecke geblieben. – Gertrud war die einzige gewesen, die meistens Dagmar gesagt hatte. – voller Stolz, weil sie sich in diesem Fall gegen ihren Mann und ihre Schwiegermutter durchgesetzt hatte. Anders war es bei Martha.” Sie hieß wie die Jugendfreundin des Vaters. Martha empfand es als eine Zurücksetzung so zu heißen wie jemand, der im Alter von Anfang zwanzig tödlich mit dem Auto verunglückt war. Und Martha empfand es mit Mitte vierzig immer noch beleidigend, dass Dagmar Dagmar, also taghell, hieß.
“Es ist absourd jemanden taghell zu nennen, der im dunkelsten Winter geboren ist, und der nie gesehen hat und nie sehen wird, was taghell ist.”
“Und selbst, wenn das stimmte, gab es keinen triftigen Grund dafür der Namensgeberin und der Trägerin des Namens den Klang wegzunehmen und lebenslänglich mit diesem falschen und verniedlichenden Ton Daggi zu sagen.”

Schließlich erreichten sie den Platz, an dem Gertruds Urne beigesetzt werden sollte. Der Mandatar wartete bis alle Trauergäste sich in einen Halbkreis um das Urnengrab versammelt hatten. Dabei ließ sich ein Augenblick der Stille und des Stillstands nicht vermeiden. Und wenn Dagmar geistesgegenwärtig genug gewesen wäre und mit dem schönen Händchen, dem Linken, das von Herzen kommt, in die Luft gegriffen hätte, hätte sie wohl ein großes Stück von dem kleinen Glück aufgeschnappt, das die Natur einfachen, bodenständigen Leuten, die das Herz auf dem rechten Platz haben, bereit hält. So blieb ihr nur kurz festzustellen, dass Gertrud ihren Platz für die ewige Ruhe richtig gewählt hatte. Es war ein Ort mit Gras, Blumen und Bäumen. Es gab Plätze in ihrem Garten, die so waren. Wer nicht heimisch sein darf, muss sich heimisch machen. Dabei gibt es keine heile Welt. Dazu sind diese Plätze zu bescheiden. Und dazu musste man für so einen eigenen Platz zu oft, zu viel und zu hart arbeiten.

Der Trauerredner hielt eine kurze Rede. Dann folgte zumindest das Vater unser. Das Vater unser war wie das Gehen. Es hilft immer. In seiner Ungereimtheit auch Gertruds Leben näher als jedes Lied, waren die Worte dieses Gebetes so gesetzt, dass man sie wie bei jedem Gang rhythmisch so gestalten konnte, wie es gerade angemessen war. Auf die Länge und die rituelle Struktur war verzichtet worden, um falsche Gefühligkeit zu vermeiden. Was immer das auch sein mochte. Und es stimmte, dass Gertrud keine Kirchgängerin gewesen war. Sie war in den Garten gegangen, so lange sie konnte. Und ihren Garten hatte sie mit Kopf, Herz und Hand gepflegt und war damit bodenständig genug, um Herz und Seele nach oben und ganz weit offen zu haben. Und damit gehörte sie im unkonfessionellen Sinn zu den gläubigen Menschen. Und sie hatte gebetet.

Und was konnte auf dieses einfache und dennoch großartige Gebet folgen? Jeder Trauergast ging zum Urnengrab. In den letzten Tagen war viel und laut über die Beerdigung gesprochen worden. Und weil alle sich bemühten so laut und so schnell als möglich mitzureden, waren viele falsche Worte gefallen. Und sie alle hingen nach dem Vater unser plötzlich in der Sommerluft. Die Tränen, die auch bei Dagmar, die sie schlucken wollte, reichlich flossen, hatten sie nicht wegspülen können. Jeder ging allein an das Grab, auch wenn sie zu zweit an das Grab herantraten wie Martha und Dagmar. Plötzlich wurde Dagmar gewahr, dass sie vor einem Korb mit Blütenblättern stand. Und links neben diesem Korb, also an der Herzensseite war das Urnengrab. Auf die Blütenblätter und dieses Loch war Dagmar nicht vorbereitet gewesen. Darüber war in all der Zeit, die seit Gertruds Sterben verstrichen war, kein Wort verloren worden. Dagmar erinnerte sich daran, dass sie vor fast dreißig Jahren hier auf dem Friedhof aber an ganz anderer Stelle für die Großmutter einen Kranz in ein größeres Grab geworfen hatten. Und Gertrud hatte sich ihr anonymes Grab auch deshalb gewünscht, um nicht neben ihrer Schwiegermutter in das Doppelgrab zu müssen. “Was ist jetzt zu tun? – Hier geht es nicht um das schöne Händchen. – Wie viele Blütenblätter müssen es sein? – Achtundachtzig – Erst immer fünf und zuletzt drei!”! “Mensch, Daggi, was machst du denn da? Du hältst den ganzen Verkehr auf!”

Martha sprach leise, aber der ungeduldige Ton in ihrer Stimme war nur umso lauter zu hören.
“Nicht die Sonne, die Weite bringt es an den Tag!”
“Ich zähle die angemessene Zahl für Gertrud ab!”
“Für Gertrud?”
“Ja, für Gertrud, die mit dem Schwert vertraute. So hieß sie doch!”
“Aber warum sagst du Gertrud zu ihr, Daggi? Sie war unsere Mutter!”
“Ja, das auch!”
“Wie viele von den Blütenblättern meinst du denn zu brauchen?”
“Die fünfundsiebzig für jedes gelebte und erlebte Jahr habe ich schon! Also die viele Arbeit, der Kummer, die Sehnsucht, die Vertreibung, die Krankheiten und so sind schon bedacht!” “Und was kommt jetzt noch?”
Diese spitze Frage nahm Dagmar erst abends, als sie in ihrem Bett lag, wahr. Was sie aber in Echtzeit spürte, war Marthas wachsende Ungeduld. Sie hätte Dagmar gern stehen gelassen. Aber das traute sie sich nicht. Wenn sie sich wenigstens mit den anderen Trauergästen hätte verbünden können. Aber die warteten geduldig in gebührendem Abstand, weil sie Dagmars Tränen bemerkten und fühlten, dass alles seinen angemessenen Lauf für Dagmar und für Gertrud ging.
Und alles ging so gut als möglich.
“Fünfundsiebzig für jedes gelebte und erlebte Jahr, eins als Trostpflaster für jeden Kummer, eins zum Trost für die unerfüllte Sehnsucht, eins für die unerfüllte Liebe, eins für jede erlittene Ungerechtigkeit, eins als Lohn für jede Plackerei, eins für jede vergebliche Mühe, eins für jeden erlittenen Schmerz und für jede Krankheit. Und der Dank darf nicht fehlen, eins für jedes gute Wort, eins für die Zuverlässigkeit, eins für jede geübte Nachsicht, eins für die Liebe, die immer von Herzen kam, auch wenn sie immer nur ein praktisches Aussehen hatte, eins für die Mühe um Gerechtigkeit und eins für die Bemühung um Verständnis, was selten gelang aber nie aufhörte.”

© Paula Grimm, 2013

[cateogry Literatur]