Der Tag des weißen Stockes Nicht am Stock gehen sondern mit dem weißen Stock unterwegs sein

Guten Tag,

heute ist der internationale Tag des weißen Stockes, an dem Blinden- und Sehbehindertenverbände in aller Welt nicht nur auf die Bedeutung des bekannten Hilfsmittels hinweisen sondern in verschiedenen Aktionen auf Aspekte ihrer Lebenssituation aufmerksam machen. Informationen, die wahrscheinlich auch Anschauungsmaterial enthalten, gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Tag_des_weißen_Stockes.Die Aktion, die schließlich zur weltweiten Ernennung des 15. Oktober als Tag des weißen Stockes führte, war der 15. Oktober 1964, der Tag, an dem der US-Präsident Lyndon B. Johnson blinden und starksehbehinderten Personen weiße Langstöcke überreichte.

Zur Geschichte des weißen Stockes

Dass blinde Personen einen Stock mit sich führen, mit dem sie sich ihren Weg durch öffentliche Räume ertasten, ist seit vielen Jahrhunderten üblich. Doch auf modernen Straßen mit ihren vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern und den Geschwindigkeiten von öffentlichen Verkehrsmitteln und motorisierten Fahrzeugen verschiedener Arten und Größen durfte ein Stock, der als Hilfsmittel diente, kein schwerer und kaum sichtbarer Holzknüppel sein. Vollblinde und starksehbehinderte Personen mit gut sichtbaren weißen Stöcken auszustatten, ist eine Idee, die ursprünglich aus Paris stammt und im Jahr 1930 entwickelt wurde. Erfinderin dieses Fortschritts war Guilly d’Herbemont. Im Jahr 1931 erfolgte die Umsetzung der Idee in Paris. Doch bis sich der weiße Langstock und das Mobilitätstraining, bei dem blinde Menschen die Orientierung im Straßenverkehr mit dem weißen Stock systematisch erlernen,weltweit durchsetzte, dauerte es noch fast 4 Jahrzehnte. Denn erst am 15. Oktober 1969 riefen die Vereinten Nationen den 15. Oktober zum Tag des weißen Stockes aus.

Der weiße Stock

Der weiße Stock, den blinde und starksehbehinderte Menschen als Hilfsmittel und Verkehrsschutzzeichen mit sich führen, wird auch als Blindenlangstock bezeichnet. Um eine eigenständige Mobilität im Straßenverkehr zu ermöglichen, sollte der Stock, der aus Leichtmetall besteht, der blinden oder sehbehinderten Person bis zum Brustbein reichen. Menschen, die nicht in der Lage sind, sich mit dem Stock selbstständig zu bewegen, führen häufiger auch einen Kurzen weißen Stock als sichtbares Zeichen mit sich, wenn sie sich mit einer Begleitperson in der Öffentlichkeit bewegen. Langstöcke sind als Falt- oder Teleskopstock zu bekommen. Auf diese Weise können sie, z. B. im Flugzeug eingeklappt oder eingefahren werden, damit sie in eine Tasche passen. Viele Langstöcke sind am Ende mit einer Rollspitze versehen, mit dem man den Stock über den Boden gleiten lassen kann, um kleinste Unebenheiten zu ertasten. In der Bundesrepublik Deutschland werden Blindenstöcke und Orientierungstraining von den Krankenkassen bezahlt. Zum Erlernen von arbeitswegen kommen je nach Bundesland andere Kostenträger für das Orientierungs- und Mobilitätstraining auf.

Das Orientierungs- und Mobilitätstraining

Orientierungs- und Mobilitätstraining wird blinden und sehbehinderten Personen unterschiedlichen Alters von den Krankenkassen gewährt. Der Orientierungs- und Mobilitätstrainer hilft bei der Beantragung des Grundtrainings und je nach Selbstständigkeit des Antragstellers werden zwischen 80 und 120 Stunden beantragt. Bei Wohnort- und/oder Arbeitswechsel hängt die empfohlene Stundenzahl für die Auffrischung von der Anzahl und Schwierigkeit der neuen Wegstrecken ab.

Orientierungs- und Mobilitätstrainer arbeiten bei Schulen, Berufsförderungswerken Blindenverbänden oder freiberuflich. Meine beiden Mobilitätstrainerinnen waren ursprünglich Erzieherinnen von Beruf und haben nach einigen Jahren in diesem Beruf die Weiterbildung zur Orientierungs- und Mobilitätstrainerin gemacht, die neun Monate dauert und mit einer Prüfung endet. Orientierungslehrer sein ist ein vielseitiger und interessanter Beruf. Denn der Trainer vermittelt Menschen unterschiedlichen Alters den Umgang mit dem weißen Stock und hilft dabei die verbliebenen Sinne angemessen weiterzuentwickeln. In der Ausbildung werden selbstverständlich sehr viele sinnestheoretische Aspekte vermittelt. Und weite Teile der Ausbildungszeit müssen angehende Mobilitätstrainer unter einer Augenbinde absolvieren. Sie durchlaufen auf diese Weise ein komplettes Orientierungstraining unter realen Bedingungen. Auch Simulationsbrillen, die bestimmte Sehbehinderungen erlebbar machen, kommen bewährend der Ausbildung zum Einsatz. Die Weiterbildung ist, wie die Beschreibung sicherlich leicht erkennen lässt, nur für Menschen geeignet, die umsichtig und vielseitig auf unterschiedliche menschen zu- und mit ihnen umgehen können. Aber auch Charakterfestigkeit und Mut sind Eigenschaften, die Auszubildende mitbringen sollten. Bislang galt Vollsichtigkeit als Grundvoraussetzung für Orientierungs- und Mobilitätstrainer. Seit 2011 wird in Europa allerdings auch ein spezielles von Blinden entwickeltes Orientierungstraining aus den USA nachgefragt. Anschauliche Informationen zum Thema Orientierungs- und Mobilitätstraining gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Orientierungs-_und_Mobilitätstraining_(O&M).

Fazit

Der weiße Langstock ist ein Hilfsmittel, mit dem blinde und sehbehinderte Menschen nicht am Stock gehen sondern, das sie leichtgängig begleitet, und das sie in öffentlichen Räumen immer mit sich führen können.Da der weiße Stock gut sichtbar ist, ist er seit dem 15. Oktober 1969 international auch als Schutz- und Erkennungszeichen anerkannt. Wer nicht sieht, sollte unbedingt gut gesehen werden. Das gilt auch, wenn blinde oder sehbehinderte Menschen in Begleitung anderer Personen in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Denn auch unter Führung mahnt der weiße Stock andere Verkehrsteilnehmer zu besonderer Rück-, Vor- und Umsicht. Wer gut gesehen werden möchte, kann sich in der dunklen Jahreszeit natürlich zusätzlich entsprechend kleiden und Leuchtpunkte oder -streifen am Stock anbringen.
Ich bedanke mich herzlich bei allen, die an der Verbreitung und Entwicklung des weißen Stockes und des Mobilitätstrainings mitgewirkt haben und wünsche allen Blinden und Sehbehinderten sowie den Orientierungs- und Mobilitätstrainern all Zeit gute und sichere Wege! Und trotzdem käme ich gern auf den Führhund. Und ich probiere gerade Fußgängernavigationsapps für Blinde aus! 🙂

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Quenel

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Ein Gedanke zu „Der Tag des weißen Stockes Nicht am Stock gehen sondern mit dem weißen Stock unterwegs sein

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